Zinnoberrot, Smalte, Bleizinngelb, Veronesererde, Lapis Lazuli, Beinschwarz und Krapplack um nur ganz wenige der seltenen Farbpigmente auf dieser Welt zu nennen. Als ich erfuhr, das die besten und berühmtesten Farbpigmente im Allgäu zu Hause sind, konnte ich das das gar nicht glauben.

Als Farbenjunkie ist dies natürlich eine Offenbarung und ich schaute mir begeistert eine Doku nach der anderen über die berühmten Farbpigmente von Kremer-Pigmente an. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einem Stein ein Farbpigment für ein spezielles Rot, Gelb, Blau oder Grün wird. Wie in aufwändiger Handarbeit nach uralten Rezepturen, Pigmente wie Lapis Lazuli hergestellt und dann in die ganze weite Welt verschickt werden. Und wie dann mit diesem Pigment berühmte Deckenfresken restauriert werden. GroßARTig!

Ich bin ja seit jeher von Farben fasziniert und experimentiere gerne für meine Möbeldesigns und Stylings mit ganz verschiedenen Werkstoffen und Materialien. Es ist eine große Freude, Farben zur Verarbeitung selber herzustellen. Bis dato hatte ich nur industriell, synthetisch produzierten Pigmenten verarbeitet. Allerdings sollte man für diese Form der Farbherstellung auch ein wenig Geduld mitbringen.

Hier ein kleines Rezept zur Herstellung von Acrylfarbe mit synthetischen Farbpigmenten:

  • Farbpigmente in Mörser geben
  • ein paar Tröpfchen Wasser drauf träufeln
  • mit dem Stößel sehr gut vermengen und stampfen, so dass eine Paste entsteht
  • 24 Stunden abgedeckt stehen lassen!!!WICHTIG!!! Damit auch jedes einzelne Pigmentchen das Wasser aufnehmen kann
  • Am nächsten Tag Acrylbindemittel dazu
  • Fertig
Farbpigment-blau

Selbst hergestellte Acrylfarbe aus synthetischen Farbpigmenten

Jetzt wollte ich mir aber mal die richtigen Profis anschauen!

Kurzentschlossen packte ich im Sommer mein Zelt, Isomatte und Schlafsack um eine kleine Reise zur Wiege der Farbpigmente, in den Allgäu, zu unternehmen. Auch so unter uns: diese Region war mir bis dato völlig unbekannt und so schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Herrlich, ganz herrlich als ich im Dörfchen Aichstetten, die Weltzentrale der weltberühmten Farbpigmente, ankam! Die reinste Postkartenidylle!

Kremer-Pigmente-im-Allgäu

Kremer Pigmente im Allgäu

 

 

Angekommen im Reich der Farben hatte ich das kleine Verkaufslädchen für mich alleine. Im Ernst, da verirrt sich auch so schnell keiner hin. Aber es gibt aktuell einen eigenen Laden in München, und eine Dependance in New York. Zudem bieten über 80 Künstlerfachmärkte in Deutschland und der ganzen Welt das Kremer-Sortiment dan.

Aber ich, ICH stand mitten im Nirgendwo in einem kleinen Lädchen, über und über bestückt mit Gläschen voller Pigmente und Bindemittel und Zubehör. Das lässt jedes Künstlerherz höher schlagen!

Kremer-Pigmente

Pigment über Pigment über Pigment

Kremer Pigmente 4

Kremer-Pigmente

Bindemittel, Öle, Harze

 

Ja, ich weiß … Schwarz ist eigentlich keine Farbe – erzähl das mal einem Künstler! Weisst Du wie sich Pfirsichkernschwarz, Traubenkernschwarz und Kirschkernschwarz voneinander unterscheiden? In der Farbmühle gibt es dazu auch noch Rebschwarz, Beinschwarz, Basaltpulver, Graphit-Schwarzpuder, Eisenoxidschwarz und eine Reihe weiterer Schwarztöne. Ebenso andere historische Farbstoffe wie roter Krapplack, Indigoblau und Purpur.

Kremer-Pigmente

natürliche Pigmente und ihre Rohstoffe

 

Kremer-Pigmente

Pflanzenfarben

 

Mir wurde erklärt welches Pigment sich mit organischen und anorganischen Bindemitteln- tja, binden lässt und es gab eine kleine Einführung und Anleitung zum Färben von Stoffen mit Pflanzenfarben. Mir wurde erklärt das man zwischen historischen und modernen Pigmenten unterscheidet – wobei die “modernen” Pigmente in den vergangenen 300 Jahren entwickelt wurden und die “historischen” wie Elfenbeinschwarz, HAN-Purpur, echte Veronese Grüne Erde, Ägyptischblau, als vergessen oder nicht mehr verfügbar galten. Das es für die historischen Pigmente oftmals schwer ist die Rohstoffe zu finden oder das viele, aufwändige Prozessschritte nötig sind um diese historischen Pigmente herzustellen.

Mir schwirrte der Kopf!

Ich zockelte mit meinem Katalog, mit einem Färberrezept für Indigo und einem Rezept für das Färben mit Beizenfarbstoffen wie Gelbholz, Blauholz und Krapp von dannen. Ich glaube im Frühjahr probiere ich das mal aus! Wird bestimmt ne schöne Sauerei.

Und ganz vielleicht werde ich mal meine echten Magenta- und Ockerstein zermalmen und Farbe herstellen. Is ja schon spannend und es wird mich der klitzekleiner Hauch eines Alchemisten umhüllen ;)

Magenter-Ocker

Magenta links und im Glas oben Ocker

Hast Du schon Erfahrung mit natürlichen oder synthetischen Farbpigmenten oder gar mit Pflanzenstoffen machen können? Hinterlasse doch einen Kommentar, das interessiert mich sehr!

bunte Grüße

Tanja

und hier noch mal alle Fotos auf einen Blick:

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